21 spannende Tage
Regelmäßig besuchen wir die Hühner im Garten von Frau Köhne. Das Interesse und die Begeisterung der Kinder sind immer sehr groß. Sie beobachten das Verhalten der Hühner, stellen eigene Vermutungen an, warum sich nicht ein Huhn wie das andere verhält, sind eifrig beim Zählen, staunen was Hühner alles fressen, holen die Eier aus der Box (diese finden manchmal sogar den Weg in den Kuchen für das gemeinsame Vesper) und schauen voll Freude, wenn ein Huhn auch mal "fliegen" darf.
Projekt "Küken ausbrüten"
Naheliegend, dass die Kinder am Lebensabschnitt vom Ei bis zum Küken großes Interesse zeigten und viele Fragen stellten. So brachte Frau Köhne kurzerhand einen Brutkasten, 18 Eier und eine Anleitung mit. Das Projekt "Küken ausbrüten" konnte losgehen.
Fragen über Fragen
Zu Beginn standen viele Fragen im Raum: Wie funktioniert ein Brutkasten? Warum müssen die Eier darin immer bewegt werden? Warum müssen sie immer feucht bleiben? Funktioniert das eigentlich auch ohne ein Huhn? Was bildet sich zuerst im Ei? Kann man auch durch die Eischale das Wachsen des Kükens beobachten? All diese Fragen, und noch viele mehr, sollten in den darauffolgenden Tagen geklärt werden.
Anfangs war es wichtig die Kinder dafür zu sensibilisieren, dass wir keine Experimente mit Lebewesen machen, dass wir alle eine große Verantwortung tragen, jeder ganz behutsam und achtsam sein muss und dass es durchaus sein kann, dass das eine oder andere Küken, im Ei oder frisch geschlüpft, nicht überleben könnte, dass wir uns nach dem "Küken-Dienst" immer die Hände waschen und kein Ei oder Küken angefasst werden darf.
21 Tage Spannung
Dann ging es los! Jeden Tag brauchte es einen "Küken- Dienst". Abwechselnd war jeder einmal dran. Zu den Aufgaben gehörten: mehrmals am Tag die Temperatur- und Feuchtigkeitsanzeige des Brutkastens kontrollieren und gegebenenfalls Wasser nachfüllen. Jeden Tag im Morgenkreis schauten wir auf einer Entwicklungstabelle nach, was sich gerade an diesem Tag im Ei tut. Spannend wurde es als wir mit einer speziellen Taschenlampe durch die Schale leuchten konnten. Nun sahen wir eindeutig, welche Eier befruchtet waren und welche nicht. Die Unbefruchteten sortierten wir aus. Auch das gehörte dazu. Die täglichen Veränderungen im Ei zu beobachten war nicht nur für die Kinder interessant. Schnell war es in den Familien daheim angekommen und wir wurden mit Fragen und Informationen bereichert. Schon allein die verschieden farbigen und gemusterten Eier waren ein genaues Hinschauen wert. Da waren 21 Tage sehr schnell vorbei. Und tatsächlich: nach genau 21 Tagen machte sich das erste Küken auf den Weg aus dem Ei.
Symbolbild KükenPhilipp Kleindienst auf Pixabay
Mühsam pickte es sich erst ein kleines Loch aus dem Ei. Stück für Stück wurde es größer, bis es sich letztendlich ganz aus dem Ei "drängelte". War das aufregend! Für alle Kinder gab es an diesem Tag nichts Spannenderes, als sich vor den Brutkasten zu setzen, zuzuschauen und zu spekulieren, welches Ei das nächste wäre. In den darauffolgenden Tagen schlüpften dann noch weitere 8 Küken. Leider mussten wir auch traurige Beobachtungen machen. Zum Beispiel, dass ein Küken direkt beim Schlüpfen aus dem Ei gestorben ist. Ein anderes war schon im Ei tot. In angeregten Gesprächen haben wir den Kindern und deren Enttäuschung Raum gegeben. Letztendlich fanden die Kinder für sich selbst ihre eigenen, tröstlichen Erklärungen.
Wachsen und Werden
Ein paar Tage konnten wir das lustige Treiben im Brutkasten noch beobachten, dann wurde es Zeit für einen Umzug! Alle packten fleißig mit an. Ein ehemaliger Meerschweinchenkäfig wurde mit Sand, Einstreu, Wärmeplatte, Wasser, Futter und Brennnesseln ausgestattet. Vorsichtig wurden die Küken hineingesetzt und fanden ein neues Zuhause in unserem ABC- Club. Nun konnte jeder, egal ob groß oder klein, "Küken- Kino" schauen. Nichts war in dieser Zeit interessanter, als dem Wachsen und Werden unserer Küken zuzuschauen.
Eine Woche vor Pfingsten endete dann unsere aufregende Zeit mit den Küken. Aus hygienischen Gründen konnten unsere Küken leider keine "Kita- Hühner" werden. Also zogen unsere Küken zu Frau Köhne in den heimischen Garten. In einem großen Hühnerstall- Kindergarten geht es allen gut. Natürlich stehen regelmäßige Besuche weiterhin auf dem Plan.
Das Wunder von der Entstehung des Lebens hat uns alle beeindruckt. Diese Erfahrung mit den Kindern gemeinsam zu machen war großartig!
Silvia Kuhnt