Generationenmiteinander als "Superkraft der Gesellschaft"
Angelehnt an das Caritas Jahresthema, stand unter dem Titel "Nur zusammen geht was. Kirche und Caritas für alle Generationen" die Frage im Mittelpunkt, was Kirche und Caritas konkret beitragen können, damit das Miteinander der Generationen besser gelingt.
Caritaskonferenz mit rund 75 Teilnehmenden aus Politik, Kirche und CaritasLucia Henneke
Mit den zur Verfügung stehenden Mitteln gemeinsam Lösungen finden
Nach einem gemeinsamen Gottesdienst in der Pfarrkirche St. Laurentius in Leipzig-Reudnitz folgte die offizielle Begrüßung durch Tobias Strieder, Vorstand des Caritasverbandes Leipzig, und Dekan Ralph Kochinka.
Vicki Felthaus, Bürgermeisterin und Beigeordnete für Jugend, Schule und Demokratie der Stadt Leipzig, richtete in ihrem Grußwort den Blick auf die Herausforderungen einer generationengerechten Sozialpolitik. Angesichts angespannter kommunaler Haushalte und schmerzhafter Einsparungen bei freiwilligen Leistungen und präventiven Angeboten brauche es neue Wege, um soziale Unterstützung für Menschen aller Generationen zu sichern. Entscheidend sei dabei, mit den vorhandenen Mitteln gemeinsam nach Lösungen zu suchen.
Eine neue "Du-wirst-gebraucht-Kultur"
Anna Steinfort vom Deutschen Caritasverband stellt die Anforderungen an einen starken Sozialstaat für alle vorLucia Henneke
Wie ein solcher gesellschaftlicher Schulterschluss aussehen kann, zeigte Anna Steinfort vom Deutschen Caritasverband in ihrem Fachvortrag. Sie stellte die sozialpolitischen Anforderungen an einen starken Sozialstaat für alle Generationen vor, wie sie die Caritas im Rahmen ihrer bundesweiten Jahreskampagne formuliert. Dabei ging es unter anderem um die Reform der Sozialversicherungen, eine starke Familien- und Bildungspolitik sowie die Schaffung neuer Begegnungsräume. Denn Generationensolidarität entsteht nicht von selbst - sie braucht Orte, Gelegenheiten und Menschen, die Begegnung ermöglichen.
Die Caritas versteht das Miteinander der Generationen deshalb als "gesellschaftliche Superkraft" und wirbt für eine neue "Du-wirst-gebraucht-Kultur". Sie nimmt Menschen in die Verantwortung für ein gelingendes Miteinander und schafft zugleich Raum für mehr Aufmerksamkeit und Unterstützung - gerade in Übergangsphasen des Lebens.
Beim anschließenden Podium diskutierten neben den Hauptrednerinnen der Sächsische
Podiumsteilnehmende (v. l. n. r.): Dr. Karin Wollschläger, Vicki Felthaus, Bürgermeisterin und Beigeordnete der Stadt Leipzig, Thomas Früh, Landesseniorenbeauftragter Sachsen; Anna Steinfort, DCV; Hans Schleicher-Junk, Generationsbrücke Deutschland; OR Pfr. Bertram Wolf, Bistum Dresden-Meißen und Johanna Hollmann, Bahnhofsmission LeipzigLucia Henneke
Landesseniorenbeauftragte Thomas Früh, Hans Schleicher-Junk von der Generationsbrücke Deutschland, Ordinariatsrat Bertram Wolf vom Bistum Dresden-Meißen sowie Johanna Hollmann, Leiterin der Leipziger Bahnhofsmission und Vertreterin der jungen Generation. Gemeinsam ging es um Chancen und Herausforderungen einer generationenverbindenden Politik, sozialer Arbeit und Seelsorge. Deutlich wurde: Hilfen müssen besser aufeinander abgestimmt, soziale Lasten fair verteilt und die unterschiedlichen Bedarfe der Generationen stärker zusammengedacht werden. Dazu braucht es vor allem eines: sichere und zugängliche Orte, an denen Menschen unterschiedlicher Generationen tatsächlich miteinander in Kontakt kommen.
Generationensolidarität, so der gemeinsame Tenor, ist dabei kein einmalig erreichbarer Zustand. Sie muss immer wieder neu ausgehandelt, gestaltet und an die Lebenswirklichkeit der Menschen angepasst werden.
Miteinander reden - und ins Tun kommen
Am Nachmittag wurde es in drei Workshops ganz praktisch. Unter der Leitung von Anna Steinfort beschäftigte sich eine Gruppe mit der politischen Ansprache. Steinfort ermutigte insbesondere die Führungskräfte der Caritas, auch bei Rückschlägen immer wieder den direkten Austausch mit politischen Entscheidungsträgerinnen und -trägern zu suchen. Denn die Erfahrungen aus der Praxis seien ein wichtiger Beitrag für politische Debatten und Entscheidungen.
Wie Begegnung zwischen Jung und Alt ganz konkret funktionieren kann, zeigte der Workshop der Generationsbrücke Deutschland. Das Projekt bringt Kita- und Schulkinder regelmäßig und strukturiert mit älteren Menschen in Pflegeeinrichtungen zusammen - und schafft so Begegnungen, von denen beide Seiten profitieren können.
Die dritte Gruppe widmete sich dem wachsenden Zusammenwirken von Caritas und Pastoral in Leipzig. Dabei wurde deutlich, wie durch eine engere Zusammenarbeit in den vergangenen Jahren zunehmend Synergien entstanden sind und gemeinsame Angebote gestärkt werden konnten.
Workshopübergreifend ging es vor allem darum, Ideen in konkretes Handeln zu übersetzen und das Generationenmiteinander im Alltag weiter zu stärken. Dieses beginnt mit Begegnung, wächst durch Austausch - und wird stark, wenn daraus gemeinsames Handeln entsteht.
Dr. Karin Wollschläger, die souverän und lebendig durch Podium und Plenum führte, brachte es zum Abschluss auf den Punkt und gab den Teilnehmenden zugleich die nächste Zielmarke mit: "Machen ist wie reden, nur krasser."