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Chance auf eine neue Perspektive

Über 1000 Asylsuchende, die in Deutschland gelebt haben, kehrten im ersten Halbjahr dieses Jahres in ihr Heimatland Serbien zurück. Und es werden von Tag zu Tag mehr, denn die deutsche Regierung hat 2014 und 2015 die Staaten des Westbalkans zu sichereren Herkunftsländern erklärt. Viele der Menschen kehren unfreiwillig, andere freiwillig in ihre Herkunftsländer zurück. In ihrer alten, jedoch zugleich fremden Heimat stehen sie oft vor dem Nichts, die Kinder sprechen häufig die Sprache nicht, die Eltern haben keine Arbeit. Um diesen Menschen eine Perspektive zu geben, baut der Caritasverband Deutschland gemeinsam mit der Caritas Serbien eine Beratungsstelle für Rückkehrende in den Balkanstaat auf.

Besuch Caritas SerbienDie Caritas-Mitarbeiterinnen aus Serbien, Jelena Micovic und Kristina Snajder Deak (Bildmitte) bei ihrem Besuch im Agneshaus. Nina Draxlbauer

 

Basis für Zusammenarbeit schaffen

Zehn Tage volles Programm: die beiden Sozialarbeiterinnen Jelena Micovic und Kristina Snajder Deak aus Belgrad machen bei ihrer beruflichen Deutschland-Rundreise auch zwei Tage Halt in Leipzig, um sich vor Ort die Einrichtungen des Caritasverbandes Leipzig anzusehen und sich mit den Mitarbeitern auszutauschen. Ihr Ziel: das Projekt der Beratungsstelle für Rückkehrende nach Serbien bei möglichst vielen Rückkehrberatungsstellen von Caritasverbänden in Deutschland vorzustellen und eine Basis für eine Zusammenarbeit zu schaffen.

Orientierung geben

Seit September dieses Jahres läuft das Projekt. Jährlich sollen bis zu 300 Familien in den Beratungsräumen im Haus der Caritas Serbien in Belgrad in allen Belangen unterstützt werden. "Viele Menschen, die zurückkehren, melden sich nicht offiziell bei den Behörden als Rückkehrer an. Dadurch gehen ihnen einmalige finanzielle Hilfen verloren. Die meisten kennen ihre Rechte und Möglichkeiten nicht", sagt Jelena Micovic. Ein Problem, dem nun mit der neuen Beratungsstelle in Belgrad entgegengewirkt werden soll. Beratung, Orientierung in der neuen "alten" Heimat sowie nicht-materielle Unterstützung haben dabei oberste Priorität für die Sozialarbeiterinnen.

Barrieren abbauen

Krankenversicherung beantragen, Wohnung finden, die Kinder in der Schule anmelden - bei allen Anliegen werden Hilfesuchende von den Caritas-Mitarbeiterinnen unterstützt. "Vor allem die Rückkehr von Kindern stellt ein großes Problem dar, da viele keine serbischen Sprachkenntnisse haben", sagt Jelena Micovic. Deshalb ist es umso wichtiger, die Kinder und deren Eltern bei der schulischen und beruflichen Integration in Serbien zu unterstützen. Willkommen und akzeptiert fühlen sollen sich die Rückkehrer - das ist Jelena Micovic sehr wichtig. Eine lockere Beratungssituation, in der man sich auch mal über persönliche Dinge austauschen kann, soll Barrieren abbauen. Viele Rückkehrer scheuen sich davor Hilfe zu suchen. Diese Angst wollen Jelena Micovic und Kristina Snajder Deak den Menschen nehmen. Nur so können die Rückkehrer über ihre Rechte aufgeklärt werden und die Hilfe bekommen, die ihnen zusteht. Eine weitere Hürde ist zudem das serbische Sozialsystem, denn viele Anträge werden abgelehnt oder zu langsam bearbeitet. "Im Sozialdienst ist es sehr schwierig seine Rechte zu verwirklichen, aber es ist nicht unmöglich", sagt Jelena Micovic. Die Caritas-Mitarbeiterinnen unterstützen die Hilfesuchenden dabei und entwickeln gemeinsam mit den Rückkehrern eine Zukunftsperspektive. Denn nur so kann es gelingen, dass diese Menschen wieder eine Heimat finden.

Finanziert wird das Projekt, das ein Jahr dauern soll, über den Deutschen Caritasverband.